Freitag, 2. März 2012

Long road to ruin there in your eyes under the cold streetlights no tomorrow no dead end in sight
 
Und ich sitze. Und ich starre. Und ich denke. Viel zu viel. Von allem zu viel, obwohl von allem nicht viel da ist. Lämpchen auf der Fensterbank. Mein Blick durch die Lämpchen, durch die steinerne Fensterbank, durch alles Materielle. Mein Blick geht ins nichts. Wo ist eigentlich Nichts? Meine Gedanken machen jedenfalls Urlaub dort, denn die letzten Wochen waren sie unaufhaltsam beschäftigt. Immer präsent, immer überall, immer aktiv. Und nun haben sie keine Lust mehr. Keine Lust auf das Denken doofer Gedanken, die nur Ärger bringen. Ärger mit anderen Bewohnern meines Ichs. Dem Herzen und dem Magen. Denen gefallen diese doofen Denkaktivitäten nämlich nicht besonders. Sie protestieren und brüllen und schlagen um sich. Und das merke ich dann auch. Das Herz und der Magen, ja die beiden würden auch gerne mal Urlaub machen, aber das geht leider nicht. Sie haben einen Ganzjahresvertrag ohne Anrecht auf Urlaubstage, Pausen oder Wochenende. Gibt einer von ihnen auf, wäre das ganze Projekt Mensch nämlich zunichte. Deshalb dürfen nur die einzelnen Gedanken mal Urlaub machen. Eigentlich ist es mehr Zwangsurlaub, denn gut geht es ihnen nicht. Sie haben so viel gearbeitet und geschuftet, dass sie nun nahezu kaputt sind. Burnout Syndrom. Lebens-Bournout. Keinen Bock mehr auf Zellenzerstörende Krebsgedanken, die nur Unruhe und Hass im Körper stiften. Schluss soll damit sein. Zumindest für eine kurze Zeit. Bis der Boss in weicher, matschiger Gehirnform wieder zur Arbeit ruft. Bis dieser rosafarbene Zellenhaufen sagt, die Gedanken haben sich genug erholt. Dann geht der Wahnsinn weiter. Wie lange noch, weiß niemand.
Lebens-Bournout. Ja das ist wenn die Gedanken nicht mehr können. Bis der Körper schreit, bis die Seele schimmelt. Und das tut sie bereits. Sie schimmelt leise und geräuschlos vor sich hin. Dass die Gedanken mal hinfort sind, genießt sie ausgiebig. Die haben das hinfortschimmeln nämlich nur noch angeregt. Bröckeln tut die kleine Seele sogar auch schon. An jeder Ecke ein wenig. Schimmeln und Bröckeln. Ja das erzeugen diese fiesen Gedanken. Und mein Ich, kann dies nicht stoppen. Kann die Seele nicht retten, denn ihr Ablaufdatum ist überschritten. Kann das Bröckeln nicht aufhalten, denn meine Hände erreichen sie nicht. Und die Gedanken hinfort scheuchen klappt auch nicht. Denn die arbeiten dort und sehen gar nicht ein, auf einmal arbeitslos werden zu wollen. Nur der Zwangsurlaub hat sie einmal hinfort befördert. Und das gibt allem in mir Ruhe.
So starre ich nun immer noch auf diese kleinen bunten Hallogenlämpchen und denke an das Nichts, wo meine Gedanken gerade bunte Cocktails mit kleinen Schirmchen trinken und mit Sonnenbrillen in den Gesichtern Urlaubssonne genießen. Schade, dass ich davon nichts mitbekommen darf. Hoffentlich geht es ihnen besser, wenn sie zurückkommen.
Hoffentlich geht es mir dann besser.
Heulen würd ich gerne. Richtig laut losheulen und mal was kaputt haun, was hier gerade so im Wege steht. Vielleicht der blöde Computer an dem ich diesen Schrott hier gerade verfasse oder einen abgestumpften Politiker mit einer lächerlichen Weltwahrnehmung und leeren Versprechen? Leider ist grad keiner da. Aber der Computer…
Nein, dann könnte diese Leidgeschichte hier nicht weitergehen. Ja ich höre mich an wie ein dummer Emo und Ja ich bin nicht der einzige Mensch auf dieser Welt mit Problemen.
Ja ich weiß, es gibt schlimmeres.
Ja ich weiß, ich soll mich nicht so anstellen.
Ja ich weiß, ich sollte mal zum Arzt.
Ja ich weiß, alles wird gut.
Nein, das weiß ich nicht. Das weiß keiner. Erst hinterher ist man schlau.
Wie gesagt, weinen wäre cool. Und Zerstörung. Aber da beides nicht geht bleibt nur Starren. Auf kleine Lämpchen. Die fröhlich aussehen und an Kindheit erinnern.
Und das gleichzeitige Eintippen diverser Buchstaben in dieses Elektroschrottteil vor mir.
Wow, das nenn ich Problembewältigung. Aber denken geht nicht gut, weil Gedanken sind nicht daheim. Ist auch besser so. Diverse Gedanken an diverse Probleme würden jetzt nur zu noch mehr Zerstörungswut führen.
Warum eigentlich Wut? Ich bin wütend auf die Lämpchen weil die so gar nicht zu meiner Stimmung passen. Ich sollte sie aus machen. Keine Lust. Ich lasse sie an. Sollen die doch debil vor sich hin leuchten. Mehr können die ja auch nicht.
Ansonsten bin ich wütend auf mich selbst, aber wenn ich jetzt Gründe dafür nennen müsste, müsste ich ja daran denken und wie gesagt, keiner da.
Auszeit!!! Komisch so mit leerem Kopf rumzusitzen. Daher rührt dieser Unsinn den ich hier fabriziere. Ich glaube dieser Text macht keinen besonderen Sinn, aber dies ist meiner immensen Wut gerade ziemlich egal. Dieses „in die Tasten hauen“ befriedigt doch einen Teil meines Wahns.
Frustration. Wegen Allem. Besonders weil ich mich nicht mitteilen kann. (Außer jetzt, diesem bescheuerten Pc). Ich hätte vielleicht sogar was zu sagen, aber es geht nicht.
Über diesen Problemen liegt etwas. Wie eine sanfte Schicht liegt es dort und hält alles fest, was raus will, was die Gedanken errichten. Eine Schutzmauer für meine Gefühle? Verlegenheit? Ungewissheit? Oder Schlicht, Angst? Wären meine Gedanken gerade aktiv, könnte ich dies vielleicht benennen, aber gerade nicht.
Ich weiß nur, dass es mir nicht gut geht, dass die Gedanken sich und mich zum Lebens-Burnout getrieben haben und ich sie am liebsten feuern würde. Aufs Arbeitsamt mit ihnen, Hartz V sollen sie beziehen, aber nicht mehr an meiner Seele und meinem Körper rumwerkeln. Denn die wollen das nicht mehr mit machen.
Ich glaube, wenn sie wiederkommen, rede ich mal mit ihnen. Vielleicht brülle ich sie auch an und es gibt Streit, aber das nehme ich in kauf.
Ich nehme alles in kauf, sofern sich schleunigst etwas ändert.

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