Long road to ruin there in your eyes under the cold streetlights no tomorrow no dead end in sight
Und ich sitze. Und ich starre. Und ich denke. Viel zu viel.
Von allem zu viel, obwohl von allem nicht viel da ist. Lämpchen auf der
Fensterbank. Mein Blick durch die Lämpchen, durch die steinerne Fensterbank,
durch alles Materielle. Mein Blick geht ins nichts. Wo ist eigentlich Nichts?
Meine Gedanken machen jedenfalls Urlaub dort, denn die letzten Wochen waren sie
unaufhaltsam beschäftigt. Immer präsent, immer überall, immer aktiv. Und nun
haben sie keine Lust mehr. Keine Lust auf das Denken doofer Gedanken, die nur
Ärger bringen. Ärger mit anderen Bewohnern meines Ichs. Dem Herzen und dem
Magen. Denen gefallen diese doofen Denkaktivitäten nämlich nicht besonders. Sie
protestieren und brüllen und schlagen um sich. Und das merke ich dann auch. Das
Herz und der Magen, ja die beiden würden auch gerne mal Urlaub machen, aber das
geht leider nicht. Sie haben einen Ganzjahresvertrag ohne Anrecht auf
Urlaubstage, Pausen oder Wochenende. Gibt einer von ihnen auf, wäre das ganze
Projekt Mensch nämlich zunichte.
Deshalb dürfen nur die einzelnen Gedanken mal Urlaub machen. Eigentlich ist es
mehr Zwangsurlaub, denn gut geht es ihnen nicht. Sie haben so viel gearbeitet
und geschuftet, dass sie nun nahezu kaputt sind. Burnout Syndrom.
Lebens-Bournout. Keinen Bock mehr auf Zellenzerstörende Krebsgedanken, die nur
Unruhe und Hass im Körper stiften. Schluss soll damit sein. Zumindest für eine
kurze Zeit. Bis der Boss in weicher, matschiger Gehirnform wieder zur Arbeit
ruft. Bis dieser rosafarbene Zellenhaufen sagt, die Gedanken haben sich genug
erholt. Dann geht der Wahnsinn weiter. Wie lange noch, weiß niemand.
Lebens-Bournout. Ja das ist wenn die Gedanken nicht mehr
können. Bis der Körper schreit, bis die Seele schimmelt. Und das tut sie
bereits. Sie schimmelt leise und geräuschlos vor sich hin. Dass die Gedanken
mal hinfort sind, genießt sie ausgiebig. Die haben das hinfortschimmeln nämlich
nur noch angeregt. Bröckeln tut die kleine Seele sogar auch schon. An jeder
Ecke ein wenig. Schimmeln und Bröckeln. Ja das erzeugen diese fiesen Gedanken.
Und mein Ich, kann dies nicht stoppen. Kann die Seele nicht retten, denn ihr
Ablaufdatum ist überschritten. Kann das Bröckeln nicht aufhalten, denn meine
Hände erreichen sie nicht. Und die Gedanken hinfort scheuchen klappt auch
nicht. Denn die arbeiten dort und sehen gar nicht ein, auf einmal arbeitslos
werden zu wollen. Nur der Zwangsurlaub hat sie einmal hinfort befördert. Und
das gibt allem in mir Ruhe.
So starre ich nun immer noch auf diese kleinen bunten
Hallogenlämpchen und denke an das Nichts, wo meine Gedanken gerade bunte
Cocktails mit kleinen Schirmchen trinken und mit Sonnenbrillen in den
Gesichtern Urlaubssonne genießen. Schade, dass ich davon nichts mitbekommen
darf. Hoffentlich geht es ihnen besser, wenn sie zurückkommen.
Hoffentlich geht es mir dann besser.
Heulen würd ich gerne. Richtig laut losheulen und mal was
kaputt haun, was hier gerade so im Wege steht. Vielleicht der blöde Computer an
dem ich diesen Schrott hier gerade verfasse oder einen abgestumpften Politiker
mit einer lächerlichen Weltwahrnehmung und leeren Versprechen? Leider ist grad
keiner da. Aber der Computer…
Nein, dann könnte diese Leidgeschichte hier nicht
weitergehen. Ja ich höre mich an wie ein dummer Emo und Ja ich bin nicht der
einzige Mensch auf dieser Welt mit Problemen.
Ja ich weiß, es gibt schlimmeres.
Ja ich weiß, ich soll mich nicht so anstellen.
Ja ich weiß, ich sollte mal zum Arzt.
Ja ich weiß, alles wird gut.
Nein, das weiß ich nicht. Das weiß keiner. Erst hinterher
ist man schlau.
Wie gesagt, weinen wäre cool. Und Zerstörung. Aber da beides
nicht geht bleibt nur Starren. Auf kleine Lämpchen. Die fröhlich aussehen und
an Kindheit erinnern.
Und das gleichzeitige Eintippen diverser Buchstaben in
dieses Elektroschrottteil vor mir.
Wow, das nenn ich Problembewältigung. Aber denken geht nicht
gut, weil Gedanken sind nicht daheim. Ist auch besser so. Diverse Gedanken an
diverse Probleme würden jetzt nur zu noch mehr Zerstörungswut führen.
Warum eigentlich Wut? Ich bin wütend auf die Lämpchen weil
die so gar nicht zu meiner Stimmung passen. Ich sollte sie aus machen. Keine
Lust. Ich lasse sie an. Sollen die doch debil vor sich hin leuchten. Mehr
können die ja auch nicht.
Ansonsten bin ich wütend auf mich selbst, aber wenn ich
jetzt Gründe dafür nennen müsste, müsste ich ja daran denken und wie gesagt,
keiner da.
Auszeit!!! Komisch so mit leerem Kopf rumzusitzen. Daher
rührt dieser Unsinn den ich hier fabriziere. Ich glaube dieser Text macht
keinen besonderen Sinn, aber dies ist meiner immensen Wut gerade ziemlich egal.
Dieses „in die Tasten hauen“ befriedigt doch einen Teil meines Wahns.
Frustration. Wegen Allem. Besonders weil ich mich nicht
mitteilen kann. (Außer jetzt, diesem bescheuerten Pc). Ich hätte vielleicht
sogar was zu sagen, aber es geht nicht.
Über diesen Problemen liegt etwas. Wie eine sanfte Schicht
liegt es dort und hält alles fest, was raus will, was die Gedanken errichten.
Eine Schutzmauer für meine Gefühle? Verlegenheit? Ungewissheit? Oder Schlicht,
Angst? Wären meine Gedanken gerade aktiv, könnte ich dies vielleicht benennen,
aber gerade nicht.
Ich weiß nur, dass es mir nicht gut geht, dass die Gedanken
sich und mich zum Lebens-Burnout getrieben haben und ich sie am liebsten feuern
würde. Aufs Arbeitsamt mit ihnen, Hartz V sollen sie beziehen, aber nicht mehr
an meiner Seele und meinem Körper rumwerkeln. Denn die wollen das nicht mehr
mit machen.
Ich glaube, wenn sie wiederkommen, rede ich mal mit ihnen.
Vielleicht brülle ich sie auch an und es gibt Streit, aber das nehme ich in
kauf.
Ich nehme alles in kauf, sofern sich schleunigst etwas
ändert.
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